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Über die Macht der PR-Berater

Wir haben keine Redaktionen mehr, die starke Redaktionen haben, die viele Journalisten mit viel Zeit haben sondern wir haben ausgehungerte Redaktionen, die dankbar sind für alles, was man ihnen anbietet.
[…]
Das alte Monopol der Journalisten, das ausschließlich sie entscheiden, was in den Zeitungen steht oder was auf dem Fernsehschirm zu sehen ist, ist dahin.
[…]
Wer seine Redaktionen aushungert, auf das absolute Minimum von Mitteln und Zeit, der liefert seine Blätter, seinen Sender, PR aus. Das ist so.
[…]
Alles was an fragwürdigem PR wirklich funktioniert, funktioniert, weil es irgendein Journalist nimmt. Und insofern ist die blühende Blume der PR, wenn es sie gibt, auf dem Mist des Journalismus gewachsen.

Die Zitate stammen von Klaus Kocks aus dem Zapp-Bericht PR-Berater: Geschäfte und Machenschaften vom 17.02.2010. Damit macht lenkt er die Diskussion geschickt auf die Rolle der Journalisten, man könnte sogar sagen, er schiebt die Verantwortung vollständig auf sie ab.

Da frage ich mich doch, was PR-Berater wie Klaus Kocks oder Klaus-Peter Schmidt-Deguelle machen würden, wenn auf einmal kein Journalist mehr mit ihnen zusammenarbeiten würde. Ja, wenn von heute auf morgen ein Ruck durch die Redaktionen gehen würde, und jeder nur noch versucht, „unabhängigen“ Journalismus zu betreiben. Nachdem man den väterlichen Worten Klaus Kocks‘ zugehört hat, möchte man fast meinen, dass die PR-Berater dann erleichtert ihren Beruf aufgeben würden, denn nun hat das PR-Geschäft seinen Nährboden verloren. Bei ihren vielen Kunden würden sich die PR-Berater entschuldigen, man könne jetzt leider nichts mehr für sie tun, ihre im Vorraus gezahlten Honorare würden natürlich zurückerstattet.

Viel zu schön, um wahr zu sein. Ist es auch nicht. Es gibt viele Wege, um eine Zeitungsmeldung zu manipulieren. Wer glaubt, dass Herr Kocks jedesmal persönlich bei einer Zeitung anruft, wenn es eine neue „Top-Story“ zu verkaufen gibt, der täuscht sich wohl. Das Geschäft von PR-Beratern sind Informationen, und die Wege, auf welchem diese die Redaktionen erreichen sind keineswegs so offen, wie das der Zapp-Bericht glauben lässt. Gute PR-Berater schaffen es, ihre Kunden zu vertreten, ohne dass dies immer so offen sichtbar wird. Da ist alles dabei, von anonymen Anrufen und Faxen über bezahlte Mittelsfrauen und -männern bis hin zur orchestralen Manipulation der gesamten öffentlichen Debatte. Im besten Fall schreiben Journalisten für PR-Berater, ohne irgendetwas davon zu merken.

Auch sollte man sich immer vergegenwärtigen, dass PR-Berater nicht nur Unternehmen vertreten sondern vor allem auch alle Spitzenpolitiker der Parteien. Die bestimmen maßgeblich das Image unserer Regierungen und entscheiden damit mitunter über den Ausgang von Wahlen.

Die „blühende Blume der PR“ ist also allein auf dem Mist des Journalismus gewachsen, wie Herr Kocks das gerne glauben lassen möchte. Genauso gedeiht sie auf dem Mist der Politik und dem Mist der Wirtschaft. Kurz: Sie wächst auf dem Misthaufen der Postdemokratie.

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